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Warum gibt es lange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz?

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Antwort

Bei der Suche nach einem Therapieplatz wurde mir mitgeteilt, daß lange Wartezeiten, teilweise mehr als 12 Monate bestehen. Mir geht es aber jetzt schlecht und ich habe mich endlich dazu überwunden, einen Therapeuten zu suchen. Warum werde ich überall abgewiesen?

Die Kassenärztlichen Vereinigungen, die für Zulassungen von Praxen sowie auch für Zulassungsbeschränkungen zuständig sind, gehen davon aus, daß bundesweit der Bedarf an Therapieplätzen ausreichend gedeckt ist (Ausnahme: einige wenige KV-Bezirke in den neuen Bundesländern). Neuzulassungen werden daher nicht genehmigt. Die Versorgungssituation ist, vereinfacht gesagt, auf den Stand von 1999 festgeschrieben
Diese Vorgaben gehen völlig am tatsächlichen Bedarf vorbei. Nicht nur, daß psychische Krankheiten stetig zunehmen, immer mehr Menschen trauen sich inzwischen, Hilfe in Anspruch zu nehmen- und werden häufig abgewiesen.

Psychotherapie ist eine zeitgebundene Leistung. Eine Sitzung muß mindestens 50 Minuten dauern, und der Umfang einer Therapie beträgt in der Regel mindestens 25 Sitzungen. Bei meist wöchentlichen Terminen ergibt sich daraus eine Behandlungsdauer von ungefähr einem Jahr. Die Zahl der möglichen Therapieplätze je Therapeut ist also begrenzt.

Geht man davon aus, daß ca. 20-25% der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben eine behandlungsbedürftige psychische Störung entwickeln, kann man sich ausrechnen, daß viele Therapeuten inzwischen verzweifelte Verwalter eines erdrückenden Mangels sind.

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